Feuerwerkskörper – was ist denn eigentlich erlaubt? (Das Silvester-Dossier 2/4)

Dieser Artikel gehört zum vierteiligen Silvester-/Feuerwerks-Dossier, das wir zusammen gestellt haben. Unser Kinderheim KIDZ Shelter befindet sich im südindischen Sivakasi, der Welthauptstadt der Feuerwerksproduktion.

Was sind „Böller“ und warum eigentlich ein Silvesterfeuerwerk?

Unter Feuerwerkskörper werden im Allgemeinen alle pyrotechnischen Gegenstände bezeichnet, die für Feuerwerke verwendet werden. Im Sprachgebrauch ist häufig auch von „Böllern“ oder „Knallern“ die Rede. Vor allem zum Jahreswechsel, also in der Silvesternacht ist das Abfeuern von Feuerwerken weltweit verbreitet. So sollen böse Geister vertrieben werden und dem neuen Jahr einen feierlichen Empfang bereitet werden.

Welche Knaller dürfen überhaupt abgefeuert werden?

Feuerwerkskörper werden seit 2007 nach einer einheitlichen Richtlinie des Europäischen Parlamentes nach vier Kategorien eingeteilt. Vereinfacht gesagt sind in Deutschland nur Kategorien F1 und F2 nach der Richtlinie 2007/23/EG erlaubt. F1 sind Feuerwerkskörper, die ganzjährig erlaubt sind – dazu zählen zum Beispiel die meisten Knallfrösche. An den letzten drei Werktagen im Kalenderjahr (2019 sind das also 28.12., 30.12. und 31.12.) dürfen Feuerwerkskörper, Knaller und Böller der Kategorie F2 gekauft werden.

Ob Feuerwerkskörper 2019 wirklich in den Geschäften stehen, ist jedoch noch offen. Immer mehr Einzelhändler entscheiden sich, auf Knaller und Böller zu verzichten. Mehrere Edeka Geschäfte und Baumärkte in Schleswig-Holstein haben mitgeteilt, keine Silvesterprodukte zu verkaufen. Weitere Geschäfte werden vermutlich folgen.

Sind die Produkte jedoch erhältlich und gekauft, dürfen sie aber ausschließlich am Silvestertag und am Neujahrstag abgefeuert werden. Dies gilt prinzipiell nur für volljährige Personen und kann durch einzelne Gemeinden und Städte individuell geregelt/eingeschränkt werden, zum Beispiel wie in der Innenstadt von Esslingen am Neckar um die dortigen Fachwerkhäuser zu schützen.

Feuerwerk an der Hamburger Außenalster
Feuerwerk an der Hamburger Außenalster

Und wie ist das mit dem Verbot?

Seit Sommer 2019 wird eine Maßnahme diskutiert, die 31 Städte in Deutschland betreffen soll. Die Deutsche Umwelthilfe hat ein entsprechendes Verbot beantragt und verweist auf die ohnehin schon hohe Feinstaubbelastung in diesen Städten.

Dublin, Amsterdam, Brüssel, Luxemburg oder Paris sind schon Vorreiter, in diesen Städten sind private Feuerwerke bereits verboten. Hier gibt es eine Abbildung von Statista dazu – eine deutsche Stadt zählt in dieser Grafik noch nicht dazu. Aber es gibt es in vielen deutschen Städten auch Bezirke und Gebiete, in denen das Böllern untersagt ist.

Gegen Jahresende haben nun mehrere Städte beschlossen, Feuerwerke zumindest teilweise zu verbieten. Beispielsweise seien hier München, Dortmund, Hamburg, Köln und Berlin genannt. In den Innenstädten von Konstanz und Villingen-Schwenningen herrscht sogar ein Komplettverbot. Eine Übersicht gibt es hier.

Die Verbote werden sehr polarisierend diskutiert. Grob gesagt sind zwei Lager zu beobachten. Während die Einen die Verbote mit Hinblick auf vor allem die Feinstaubbelastung, den Müll und den Tierschutz begrüßen, möchte sich die Gegengruppe nicht die Freiheit nehmen lassen, „zumindest an Silvester“ einmal zu böllern.

2018 hat das Marktforschungsinstitut YouGov eine Studie veröffentlicht, die die zeigt, dass die große Mehrheit der Deutschen den Böllern zumindest kritisch gegenübersteht. Demnach geben 86% der Befragten an, Silvesterknaller würden zu viel Müll verursachen, 61% sprechen sich über ein Verbot in Innenstädten aus und 43% würden sich für ein generelles Verbot aussprechen. Dass das Thema polarisiert, liegt auf der Hand, den 56% stimmen der Aussage zu „Einmal im Jahr sollte Böllern einfach erlaubt sein“.  

Mehr zum Thema Daten und Fakten und Einstellungen rund um Silvester und Feuerwerken im dritten Teil unseres Dossiers.

> zu Teil 3/4 des Dossiers

(Hinweis: dieser Artikel gibt Dir keine Erlaubnis / Verbot, irgend etwas zu tun oder nicht zu tun. Dies ist keine Rechtsberatung, sondern lediglich eine Information, die nach bestem Wissen recherchiert wurde).